Zeitzeugen

Sie werden weniger, die Zeitzeugen der Gräueltaten des Dritten Reiches. Junge Menschen haben oft keinen direkten Kontakt mehr zu Zeugen dieser Zeit, die das Unrecht erlebt und ausgehalten haben. Das bedeutsame Nachdenken und Sprechen über den Holocaust soll nicht verstummen und weitergetragen werden auch wenn die Generation der Zeitzeugen nicht mehr da sein wird. Die Oberstufenschüler der Freien Waldorfschule Offenburg haben die Zeitzeugin Eva Mendelsson eingeladen, über diese dunkle Zeit der deutschen Geschichte zu erzählen. In der persönlichen Begegnung wollen die Schüler sich mit dieser Zeit auseinandersetzen und ihre Fragen stellen. Die reale Begegnung mit der Zeitzeugin bewegte und sensibilisierte die Schülern zutiefst.
Eva Mendelsohn, geb. Cohn, stammt aus Offenburg. Ihr Vater wurde nach der Reichsprogromnacht nach Dachau deportiert, kurz nach seiner Rückkehr emigrierte er nach Großbritannien. Er wollte die Familie nachholen, dies war ihm jedoch nicht möglich und so wurde Frau Cohn und ihre Töchter Eva und Myriam im Zuge der Deportation der Juden Badens und der Saarpfalz ins südfranzösische Internierungslager Gurs gebracht. Eva Mendelssohn war zu diesem Zeitpunkt neun Jahre alt. Die Schwester Esther blieb zunächst in einem Kinderheim in München und wurde wie die Mutter in Auschwitz ermordet.
Mit ganzer Aufmerksamkeit verfolgten die Schüler der Freien Waldorfschule die Erinnerungen von Frau Mendelssohn. Eindrücklich erzählte Sie von der Zeit im Lager, der Kälte, dem Hunger und der Hoffnungslosigkeit. Über viele Stationen in ihrem jungen Leben, in einem französischen Kinderheim, der Flucht über die Schweiz ins Tessin und die Reise zu ihrem Vater nach England, durften die Schüler teilhaben. Frau Mendelssohn erzählt, damit die Geschichte nicht vergessen wird und fordert die Schüler auf: Übernehmt Verantwortung, seit keine Mitläufer, baut Brücken für den Frieden in dieser Welt!
Die Schüler waren mit großer Aufmerksamkeit dabei und konnten mit ihren Fragen die Eindrücke vertiefen. Die Botschaft wurde verstanden: Das Erzählen und Zuhören ist ein Akt des Gedenkens und diese Erfahrung ist Mitgestaltend für die Zukunft.